..:: Tambourcorps des Lippstädter Schützenvereins 1888 ::..


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Historie

Der Verein

Chronik vom Tambourcorps des Lippstädter Schützenvereins

Am Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich nach den Kriegen 1870 / 71 überall die Traditionsvereine, in denen sich gediente Soldaten zu
Kameradschaften zusammenschlossen. Gardeverein, Arterieverein, Gardeschützenverein, Kavallerieverein, Krieger- und Landwehrverein
und andere schlossen sich im Kyffhäuserbund zusammen, um die Tradition und Kameradschaft ihrer Truppenteile zu pflegen und erhalten.
Dem hiesigen Krieger- und Landwehrverein gehörten dabei eine Viehlzahl ausgebildeter Musiker ( Trommler und Pfeifer ) an, so dass sich
bald eine Gruppe engagierter Musiker gefunden hatte, die ein eigenes Tambourcorps bildeten. Als Gründungsjahr wurde das Jahr 1888
vermerkt. Geführt wurden diese Musiker von tüchtigen und ehrgeizigen Tambourmajoren, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, das
Niveau der musikalischen und militärischen Darbietung auf einen hohen Standard zu halten.

Soweit bekannt, war Peter Kleebolte der erste Tambourmajor des Vereins. Er wurde Opfer des 1. Weltkrieges. Nach Ende des 1.
Weltkrieges übernahm Franz Bartelsmeier die Führung des Tambourcorps,
bis er diese im Jahr 1927 an Stefan Stork
(rechts im Bild) übergab.

Der 2. Weltkrieg ging natürlich auch nicht am Tambourcorps und seinen Musikern vorbei, denn im Jahr 1933 wurden sie aufgrund ihrer vorzüglichen musikalischen und militärischen Ausbildung von der SS zum Spielmannszug des hiesigen SS-Sturmbandes ernannt. Während die Musiker zum größten Teil tagsüber bei den Lippstädter Eisen- und Metallwerken sowie der Westfälischen Union arbeiteten, wurden sie abends - teilweise noch mit alten Holzkochern - ins Ruhrgebiet gefahren, um dort an Paraden und Aufmärschen teilzunehmen. Obwohl die Musiker nie als aktive Soldaten an der Front waren, wurde Tambourmajor Stefan Stork 2 Jahre in einem Internierungslager gefangen
gehalten.

Nach Ende des Krieges wurde dann wieder mit der musikalischen Ausbildung begonnen. Schnell folgten wieder zahlreiche öffentliche
Auftritte, zu denen auch die Teilnahme am traditionellen Schützenfest des Lippstädter Schützenvereins gehörte.
Die traditionelle Kleidung der Musiker bestand zu dieser Zeit aus blauen Uniformröcken und weißen Steghosen.
Aufgrund der Jahrzehntelangen kameradschaftlichen Verbindung zwischen Tambourcorps und Schützenverein nahm im Jahr 1950 der
damalige Rendant des Schützenvereins, Heinrich Gogrewe, Kontakt zu Tambourmajor Stefan Stork auf, um die Spielleute als Mitglieder im Lippstädter Schützenvereins zu integrieren. Somit war das Tambourcorps des Lippstädter Schützenvereins geboren.
Um auch äußerlich ein Zeichen der engen Verbundenheit und Zugehörigkeit zu setzen, kleidete der Schützenverein das Tambourcorps
daraufhin mit neuen,grünen Uniformen ein.
Die Traditionen des Tambourcorps wurden jedoch durch die neuen Uniformen nicht verändert. So wurden zu dieser Zeit sämtliche Auftritte immer nur von 16 Musikern und dem Tambourmajor dargeboten. Dies führte allerdings dazu, dass die Förderung und Ausbildung von
Nachwuchstrommlern und Pfeifern vernachlässigt wurde. So kam es dann, dass nach dem Ausscheiden altgedienter Musiker, die
Stammbesetzung so stark gechrumpft war, dass das Tambourcorps bei offiziellen Auftritten durch Spielleute der Spielmannszüge
Langenberg und Störmede unterstützt wurden. Dies wurde nur möglich durch die guten Beziehungen zwischen den Vereinen, die gestützt wurden vom Engagement von Heinrich Homburg und Ernst Wolf bei der Ausbildung der Spielleute.

Nach dem Führungswechsel von Stefan Stork auf Heinrich Homburg erlebte das Tambourcorps 1969 eine " große Revulotion ", denn
erstmals war es auch Frauen erlaubt, aktiv an musikalischen Darbietungen mitzuwirken. Weiterhin ging man auch von der bis dato gepflegten Tradition ab, mit nur 16 Musikern anzutreten.
Im Jahr 1968, als Otto Böcker dem Batallion des Lippstädter Schützenvereins als König vorstand, übergab Heinrich Homburg den
Tambourstab und die Führung an Herbert Kröning. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit sah der sich mit dem Problem konfrontiert, den
Musikern nach knapp 20 Jahren trotz geringer finanzieller Möglichkeiten eine angemessene Bekleidung zur Verfügung zu stellen.
Unverhoffte Unterstützung fand man jedoch beim damaligen Zuchthaus in Werl, wo das Land NRW ausrangierte Uniformen und Mützen der Polizei für 5 bzw. 1 DM verkauft hat. So gelang es Herbert Kröning im Jahr 1970 für nur 150DM, das komplette Tambourcorps neu
einzukleiden.

Durch den damaligen Oberleutnant der Bundeswehr, Manfred Kapp, knüpfte Herbert Kröning erste Kontakte zur Bundeswehr.
Diese wurden im laufe der Jahre immer weiter intensiviert, so dass das Tambourcorps über Jahre hinweg fester Bestandteil der Sommerfeste sowie der Herbstbiwaks des Fernmeldebatallions und des Luftlandebatallions war.
Höhepunkt der Verbindung zur Bundeswehr war die Teilnahme des Tambourcorps am Zapfenstreich der Bundeswehr anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt Lippstadt im Jahr 1985 auf dem Rathhausplatz. Hierbei führte das Tambourcorps die Fahnenabordnungen der
Lippstädter Schützenvereine auf den Rathausplatz um dann dem Zapfenstreich durch das Heeresmusikcorps 7 der Bundeswehr aus
Düsseldorf beizuwohnen.

Einen Höhepunkt der ganz anderen Art wurde dann im Jahr 1988 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Tambourcorps begangen.
Nach dem Ständchen mit Empfang beim Bürgermeister der Stadt Lippstadt, Franz Klocke, folgte ein Festakt mit Zapfenstreich in der
Schützenhalle an der Bellevue unter Beteiligung befreundeter Schützenvereine sowie der Stadtkapelle Horb am Neckar.

Aufgrund seiner langjährigen Verdienste und seiner 23-jährigen Tätigkeit als Tambourmajor, wurde Herbert Kröning im Jahr 1991 vom Oberst des Lippstädter Schützenvereins, Hubertus Linhoff, zum Ehrentambourmajor des Lippstädter Schützenvereins ernannt. Gleichzeitig übergab Herbert Kröning dabei die Stabführung an Andreas Bauhoff. Dieser hat es verstanden, trotz des Beibehaltens und der Pflege alter Traditionen, einen hohen Leistungsstand zu wahren und an die Jugend weiterzugeben.
So war es auch für die Musiker keine Frage, als sich im Jahr 1999 der Jahrestag der Gründung zum 111. Mal jährte, dieses "runde"
Jubiläum alter Tradition folgend, im Kreise befreundeter Schützenvereine, Spielmannszüge und Musikkapellen in der Schützenhalle an der Bellevue zu feiern.

Als Anerkennung für seine zahlreichen ehrenamtlichen Engagements wurde dem Ehrentambourmajor Herbert Kröning dann im Jahre 2003 das Bundeverdienstkreuz durch den Landrat Wilhelm Riebniger verliehen. Für das Tambourcorps war es natürlich eine
Selbstverständlichkeit, seinem Tambourmajor an diesem Ehrentag ein musikalisches Ständchen zu überbringen.

Einen seit langer Zeit gehegten Wunsch kann sich das Tambourcorps nunmehr dank der großzügigen Unterstützung durch den Lippstädter Schützenverein erfüllen. So wurde die vorhandene Wohnung in der Schützenhalle an der Bellevue im Sommer 2006 renoviert und zum ersten Vereinheim vom Tambourcorps des Lippstädter Schützenvereins umgebaut.


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